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Pressemitteilung vom 28.03.2004

Handwerk hat Zukunft - 1. Internationale Handwerksakademie in Lienz

„Touristisches Bauen in den Alpen“ – so lautet der Leitsatz des Fachsymposiums, zu dem sich Handwerker aus dem Oberpustertal, Osttirol und Belluno in der Wirtschaftskammer Lienz vom 26.-28. März eingefunden haben. Ziel ist die Erörterung der derzeitigen Lage des Handwerks im Bauhaupt- und Baunebengewerbe, die Analyse von Chancen für eine zukünftige Positionierung des Handwerks und der überregionale Erfahrungs- und Kulturaustausch.

Mit dem Ziel der Stärkung des einheimischen Marktes durch die Verbesserung der Managementfähigkeiten sowie der Förderung von Innovation hinsichtlich Produktentwicklung, Marketing und überregionaler Zusammenarbeit wird das Interreg III Projekt „Auf Qualität bauen, neue Märkte erschließen; Aufbau eines Dienstleistungsmarktplatzes“ durchgeführt. Die Zielgruppe des Projekts sind die Handwerker des Bauhaupt- und Baunebengewerbes des Oberpustertals, Osttirols sowie von Belluno. Der Projektträger Grain, mit Dr. Hansjörg Viertler und der Projektleiter Walter Fontana vom Beratungsunternehmen Lexington Company aus Bozen sind überzeugt, dass in Zusammenarbeit mit den Handwerkern entscheidende Richtungen eingeschlagen werden können. Die Handwerksakademie, die einmal jährlich von einem der Partner durchgeführt wird, ist hierbei die erste überregionale Form des Erfahrungsaustauschs, der kulturellen und der professionellen Begegnung. Gregor Seyr, Bezirksobmann des LVH Oberpustertal, und seine Kollegen vom Bezirksausschuss werteten die Handwerksakademie als positives Signal, wo nicht Konkurrenzdenken sondern die Offenheit für Weiterentwicklung und Innovation im Vordergrund steht.

Im Symposium zeigten die Referenten ihre verschiedenen Zukunftsvisionen auf. Für Diskussion sorgte bereits das Auftaktreferat. Architekt Ernst J. Fuchs, der das Konzept des Hallenbades am Kalterer See entworfen hat und derzeit das Projekt des Kalterer Freibads plant, sieht die Zukunft des Handwerks, abseits vom traditionellen und hier zu Lande bekannten Bauen, in der Verwendung innovativer Materialien. Die Teilnehmer standen den architektonischen Stilen teils positiv gegenüber, befürchteten aber auch den Verlust der Tradition und Identität des Alpenlandes. Architekt Fuchs ließ hierbei die Frage im Raum stehen, was denn Tradition sei, haben sich doch im Laufe der Jahrhunderte die Baustile auch im Alpenraum ständig weiterentwickelt. Im nachfolgenden Workshop, ebenfalls von Architekt Fuchs geleitet, wurde festgestellt, dass sich Arbeits- und Lebensstil in den letzten zwanzig Jahren sehr stark verändert haben, was sich auch auf die Ansprüche des Bauherrn und somit auf die Baustile ausgewirkt hat. Das Handwerk kann hierbei die Chance ergreifen, die Entwicklung durch Innovation aktiv mitzugestalten.
In einem weiteren Workshop wurde erarbeitet, inwieweit der derzeitige Wellness Boom eine Chance für das Handwerk sein kann. Der Referent Dr. Hans Rudi Huber von Tirol Consult ist überzeugt, dass der Handwerker dann im Wellnessbereich mitmischen kann, wenn er Wellness selbst lebt und es versteht und in einem Netzwerk von Anbietern agiert. „Es reicht nicht ein paar Bretter für eine Sauna zu verschrauben, sondern der Handwerker muss innovative Produkte entwickeln, die Wohlbefinden schaffen.“ so Huber.
Ing. Reinhard Weiss wiederum sieht im Bereich Niedrig- und Passivenergie Chancen für das Handwerk von einem sehr aktuellen Trend des behaglichen Wohnens und des Umweltschutzes - angesichts ständiger Überschreitungen von Feinstaubwerten - nachhaltig zu profitieren. Das Handwerk muss sich dabei das Know How aneignen und ständig erweitern.
Mag. Kurt Wallensteiner hat im Bereich Unternehmensführung Defizite der Handwerker aufgezeigt, da die Ansprüche der Kunden vor allem im Bereich Service, Termintreue und Reklamationswesen nicht erfüllt werden. Zudem ist mangels einer Strategie kein klares Profil der Handwerker ersichtlich. Die eindeutige Positionierung und die Konzentration auf die Stärken und Kernkompetenzen sind die Herausforderungen der Zukunft, um sich dem Preiskampf der Discounter und Handelshäuser zu entziehen.
Am Ende der Veranstaltung haben die Besichtigungen eines Passivhauses und ein Besuch im Schloss Anras gezeigt, dass im Bau sehr viel Innovation steckt und dass in einem 700 Jahre alten Gebäude restaurierte Bestandteile mit modernen Handwerkselementen harmonisch miteinander verbunden werden können – Harmonie ist gewiss auch im Festlegen einer gemeinsamen Zukunftsvision und dessen Umsetzung gefragt.

Autor: Dr. Walter Fontana
Quelle: Dolomiten


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