Pressemitteilung vom 01.01.2003
Personalmanagement schafft messbare Werte
Rationalisierung, Umstrukturierung, Dezentralisierung und Downsizing;
Business Reengineering, Prozess- und Qualitätsmanagement; Value
Added, Core Business, Outsourcing und Corporate Governance gehören
zum Gedankengut jedes modernen Managers. Sie sind die organisatorischen
Hilfsmittel, die dem Geschäftsführer zur Verfügung
stehen, um sein Unternehmen durch diese ungewohnt anspruchsvolle
Wirtschaftssituation zu navigieren.
Zur Umsetzung braucht das Unternehmen seine Mitarbeiter. Ihre Fähigkeiten,
ihr Verhalten und ihre Motivation beeinflussen den Erfolg und die
Geschwindigkeit der Veränderungen. Die "Betriebliche Personalwirtschaft" oder
das "Human Resource Management" sind gefordert und werden
zum Gegenstand kritischer Analysen. Ihre Wertschöpfung wird
hinterfragt, gefordert und kontrolliert.
Die Personalabteilung sieht sich zunehmend mit der Anforderung konfrontiert,
den Beitrag ihrer Aktivitäten zum Unternehmenserfolg - möglichst
in quantifizierter Bewertung - zu dokumentieren und damit den Ressourcenverzehr
zu rechtfertigen. Zu diesem Zweck hat sich bewährt, das Personalmanagement
als eine zentrale unternehmerische Teilfunktion zu konzipieren und
auch institutionell in die Strategieentwicklung des Unternehmens
mit einzubinden. Dies erlaubt, Konzeptionen und Instrumente des Human
Resource Management auf ihre Erfolgswirkungen hin zu kontrollieren.
So wie das Unternehmen als Gesamtheit vom Materialeinkauf bis zum
Kundendienst in einer Wertschöpfungskette darstellt wird, können
auch die Leistungen des Personalmanagements in einer eigenen Wertschöpfungskette,
unabhängig von der Aufgabenteilung zwischen Linie und Stab,
erfasst werden. Die operativen Aufgaben sind in eine logische Abfolge
zu bringen. Die Reihenfolge von Personalmarketing, Personalbeschaffung,
Personaleinsatz und Personalfreisetzung orientiert sich an ihrem
zeitlichen Zusammenhang. Zwischen Personaleinsatz und Personalfreisetzung
sind die parallel stattfindenden Aufgaben der Personalentwicklung,
Personalerhaltung und Personalführung anzusiedeln. Die quer
zu den operativen Aufgaben liegenden Steuerungs- und Serviceaufgaben
werden entsprechend ihrer strategischen Relevanz von oben nach unten
angeordnet.
Die Aktivitätskategorien der Wertschöpfungskette können
in Führungsaufgaben (Steuerung), Ausführungsaufgaben (Operation)
und in Unterstützungsaufgaben (Service) unterteilt werden. Personalstrategie
und –politik (Steuerung) bilden den Rahmen für die Ausführung
der übrigen Personalmanagementaufgaben. Zur Aufrechterhaltung
und Bewältigung der Steuerung sowie der operativen Aufgaben
werden die Serviceleistungen, wie Personalcontrolling und Personalverwaltung,
benötigt.
Idealtypische Wertschöpfungskette
Nicht in jeder Unternehmung findet sich das gesamte Spektrum personalwirtschaftlicher
Aufgaben. Beispielsweise wird die Personalentwicklung in manchen
Unternehmen den strategischen, in anderen dagegen den Unterstützungsaufgaben
zuzuordnen sein.
Auffallend ist auch, dass in der Praxis Steuerung, Operation und
Service selten gleichgewichtig sind. Empirische Studien zeigen, dass
sich die tatsächlichen Gewichtungsverhältnisse zwischen
Steuerung, Operation und Service grob mit der Formel eins zu drei
zu sechs ausdrücken lässt. Das heißt, lediglich zehn
Prozent der Kosten sind strategisch; dreißig Prozent entfallen
auf die operativen Teilfunktionen und sechzig Prozent der Kosten
und Aktivitäten haben Verwaltungscharakter.
Personalmarketing ist ein relativ junges Konzept, das bisher nur
von wenigen Unternehmen konsequent umgesetzt wird. Ähnlich unterentwickelt
ist das Personalcontrolling, das v.a. an der Quantifizierung qualitativer
Nutzgrößen scheitert. In Zeiten von Lean Management und
Shareholder Value-Orientierung fiel die Personalentwicklung meist
als erstes Kürzungen zum Opfer. Auch Personalerhaltung erscheint
oft Luxus, den man sich nur in guten Jahren leisten kann. Ähnlich,
wenn auch aus anderen Gründen, ist die Situation in stark wachsenden
Unternehmungen; für Entwicklung bleibt schlichtweg keine Zeit.
Der Fokus liegt statt dessen auf der Personalbeschaffung.
Um der neuen Verantwortung (weg vom Personaladministrator hin zum
Personalmanager) gerecht werden zu können, muss der Personalverantwortliche
einerseits seine operative Tätigkeit professionalisieren und
sich andererseits eine gesamtunternehmerische, strategische Perspektive
aneignen. Die Personalabteilung – insbesondere der Personalleiter – hat
verschiedne Funktionen zu übernehmen:
Der Personalleiter fungiert als Strategischer Partner, indem er das
Top-Management in Fragen des Personalmanagements informiert und berät.
Insbesondere ist der strategische Partner (mit)verantwortlich für
die Konzeptionierung einer Personalstrategie, die sich aus der Unternehmensstrategie
ableitet.
Als Koordinator hat die Personalabteilung überwiegend kontrollierende,
koordinierende und informierende Aufgaben. Die verschiedenen Funktionen
ergänzen sich, verlangen jedoch unterschiedliche Verhaltensweisen
und stark differenzierte Fähigkeiten. So zum Beispiel liegt
das strategische Personalmanagement vollständig in der Verantwortung
der Personalabteilung, wobei die Funktion als strategischer Partner
in der Planungsphase von der Funktion des Koordinators in der Duchsetzungs-
und Kontrollphase abgelöst wird.
Der Berater ist Moderator, Coach und Prozessbegleiter; als solcher
stellt er seine Fach- und Methodenkompetenz den Führungskräften
und Mitarbeitern zur Verfügung. Er unterbreitet Vorschläge.
Entscheidung, Umsetzung und Kontrolle bleiben der Linie vorbehalten.
Als Dienstleister unterstützt die Personalabteilung das gesamte
Unternehmen. Sie ist zwar nicht primär wertschöpfend, trägt
jedoch indirekt zum Ergebnis der übrigen Bereiche bei. Dies
geschieht einerseits durch die Entlastung der Linie, anderseits durch
die Erhöhung der Effizienz und Professionalität der Personalarbeit.
Das Personalwesen der Zukunft wird einen besonderen Stellenwert
mit eigener Wertschöpfung erhalten. In ihrem Wert erkannt und
anerkannt wird es ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensleitung
mit zentralen Koordinationsfunktionen einnehmen. Das Personalwesen
wird die (Mit)Verantwortung tragen für Vieles, wie Leistung
und Wissen der Mitarbeiter, für Heranbildung des Führungsnachwuchses
für die Moderation betrieblicher Konfliktlösungen und organisatorischer
Veränderungen.
„Die Menschen werden die wichtigste Herausforderung für
das Management bleiben.“ In dieser Aussage schwingt das zwiespältige
Verhältnis des Managements zur menschlichen Arbeitskraft mit.
Jedes Unternehmen hat ein wirtschaftliches Interesse an der besonderen
Produktivität menschlicher Arbeitskraft, gleichzeitig fürchtet
es ihr Störpotenzial , das sich einzelnen wirtschaftlichen Zwecken
nie restlos fügt. Dieser Tatbestand zwingt die Personalabteilung
/ das Management die Mitarbeiter nicht als verfügbare Ressourcen,
die nur verwaltet werden müssen, sondern als Persönlichkeiten
mit eigenen Entwicklungspotenzialen zu behandeln.
Autor: Dr. Barbara Jäger Rainer, Geschäftsführerin
Business Pool International
Quelle: Südtirol Panorama - Personalentwicklung & Weiterbildung,
Sept. 2002
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