Pressemitteilung vom 28.06.2002
Was den Verkäufer macht
Um Spitzen-Teams im Verkauf zu formen, ist ein Umdenken bei den
Auswahlkriterien für den Außendienst notwendig.
Eine Studie über die Ursachen von Spitzenleistung im Verkauf,
durchgeführt in den USA und in Deutschland, brachte eine bemerkenswerte
Erkenntnis für die Zusammenstellung von Verkaufsteams: Nicht
das Verhalten der Verkäufer, sondern die dahinterliegenden Motive
und Werte des einzelnen sind die entscheidenden Kriterien für
konstant gute Verkaufsresultate. Befragt wurden in den USA die Spitzen-Außendienstverkäufer
von 178 Unternehmen und in Deutschland 541 Außendienstler.
Das Ergebnis der Studie zeigt ganz deutlich, dass allein die inneren
Antriebskräfte sowie die Einstellungen und Werte die Top-Verkäufer
in beiden Ländern von ihren mittelmäßigen Kollegen
unterscheiden.
Konsequenz: Assessments, Führungs- und Vergütungssysteme
müssen auf diese inneren Werte und Motive ausgerichtet werden,
denn mit einem guten ersten Eindruck beim Kunden allein werden in
keiner Branche mehr gute Geschäfte abgeschlossen– weder
heute noch in Zukunft.
Deutsche Verkäufer fachlich fundierter
Während die Studie ergab, dass sich die Top-Verkäufer in
beiden Kulturen in ihrem Verhalten kaum unterscheiden, so gab es
doch gravierende Unterschiede in den Handlungsmotiven der Befragten.
Die Motivationsstruktur der Verkäufer wurde nach dem PIW-Modell – Persönliche
Interessen, Einstellungen, Werte (siehe Abbildung 1) untersucht (Baustein
des INSIGHTS-MDI® Kompetenzmodells). Diese Typologisierung, basierend
auf den Forschungen des Motivationsforschers Eduard Spranger, unterteilt
in sechs Basismotive für Handeln: vom ökonomischen Motiv über
das theoretische Motiv bis hin zur sozialen, ästhetischen, individualistischen
und traditionellen Motivation.
Der Hauptunterschied zwischen Amerikanern und Deutschen: 25 Prozent
aller analysierten deutschen Top-Verkäufer besitzen starke theoretische
Motive. Das heißt, für diese Menschen ist Wissen und Know-how
der wichtigste Antrieb ihres verkäuferischen Tuns. Sie sind
also der Meinung, dass erfolgreicher Verkauf nur über exzellente
Fachkenntnis möglich ist und beweisen das, indem sie zu den
Top-Leistern in ihren Unternehmen zählen.
Die Amerikaner dagegen scheinen mit einem Anteil von nur vier Prozent
extrem weniger Wert auf den Verkauf über die fachliche Schiene
zu legen.
Gemeinsam dagegen ist allen untersuchten Spitzen-Leistern das starke ökonomische
Motiv. 71 Prozent aller deutschen und 72 Prozent aller amerikanischen
Top-Verkäufer fragen zuerst, was ihnen ihr Engagement finanziell
bringt, aber auch, welchen ökonomischen Nutzen sie ihren Kunden
damit bieten können.
Alle anderen relevanten Handlungsmotive treten bei der untersuchten
Gruppe von Top-Verkäufern deutlich in den Hintergrund.
Wie verhält sich der typische Verkäufer?
Welche Verhaltensweisen zeigt nun der typische Spitzenverkäufer?
Das Verhaltensprofil der Top-Verkäufer wurde aufgrund des international
anerkannten INSIGHTS-Verhaltensmodells (Baustein des INSIGHTS-MDI® Kompetenzmodells
) erstellt (siehe Abbildung 2).
Die Hauptergebnisse für den deutschen Markt: 46,7 Prozent aller
Verkäufer gehen von ihrem Grundstil her offen und optimistisch
auf Menschen zu, ergreifen die Initiative und können gut überzeugen.
An zweiter Stelle scheinen Menschen besonders gut für diesen
Beruf geeignet zu sein, die das menschliche Element der Beziehung
fokussieren und die eine ausgeprägte Sensibilität besitzen.
Dieses Profil des Beziehungsmanagers und Kundenbetreuers zeigten
36,7 Prozent der Befragten.
Wie sollte der Verkäufer der Zukunft aussehen?
Die Ergebnisse zeigen, dass das die Verkäuferrekrutierung in
sehr vielen Vertrieben einer Revision bedarf. Verkaufserfolg werden
in Zukunft die Unternehmen haben, die ihre Verkaufsteams konsequent
nach der Motivationsstruktur der Bewerber zusammenstellen. Denn es
ist Fakt, dass man an der Motivationsstruktur eines Menschen nur
wenig ändern kann.
Training kann und sollte im Bereich des Verhaltens einsetzen. Denn
Verhalten ist adaptierbar und kann so auf Verkaufsziele, Kundenbedürfnisse
und Unternehmensgrundsätze hin verändert werden.
Speziell für Finanzdienstleister heißt das zum Beispiel,
Verkäufer zu rekrutieren,
- die von ihren Einstellungen und Motiven her auf eine fundierte
fachliche Basis hohen Wert legen. In der Praxis sollte ein
Finanzdienstleistungsvertrieb also eher dazu tendieren, den
Kaufmann mit hoher Kompetenz einzustellen als den kommunikationsstarken
Allround-
Vertiebler. Ein eventuelles Manko im Bereich des Verkaufs-Verhaltens
ist
trainierbar, Einstellungen, Motive und Werte dagegen nicht.
- Das zweite wichtige Kriterium für die Personalauswahl sollte das ökonomische
Motiv des Bewerbers sein. Ein Verkäufer, für den es nicht
wichtig ist,
ein konstant hohes Einkommen zu haben, wird früher oder später
in diesem leistungsorientierten Beruf scheitern. Denn das starke Verlangen
nach
finanzieller Freiheit und der damit verbundenen Anerkennung ist der
wichtigste Antrieb, mit der täglichen Angst vor dem Nein des Kunden
und der damit verbundenen sozialen Ablehnung fertig zu werden.
- Im Bereich des Verhaltens ist es ideal, Verkäufer einzustellen, die, die
Fähigkeit besitzen, auf ihr Gegenüber einzugehen und Vertrauen
ausstrahlen, die aber auch entschlossen, willenstark und zielstrebig
eine Entscheidung herbeiführen können. Verkäufer mit
solchen Eigenschaften
können am besten auf Kunden zugehen, sind in der Lage, schnell eine Beziehung
aufzubauen und können den Kunden vom Nutzen ihrer Produkte
überzeugen.
Finanzdienstleistungsvertriebe, die sowohl bei der Rekrutierung
neuer Mitarbeiter als auch bei den Vergütungs- und Führungssystemen
darauf achten, persönlichen Erfolg stark zu belohnen sowie
fachliche Kenntnisse und Weiterbildungswillen zu honorieren,
werden in Zukunft
die Nase vorn haben.
Was Verkaufsteams stark macht
- Verkäuferauswahl nach Handlungsmotiven: Bei der Auswahl von
Bewerbern auf die Motivationsstruktur achten (ökonomische
und fachliche Motive
relevant für den Verkauf). An der Motivationsstruktur eines Menschen kann
man wenig ändern. Stimmen aber die Motive, dann ist das Verhalten
beeinflussbar.
- Entlohnungsmodelle verändern: Das Verlangen nach finanzieller Freiheit
ist für Top-Verkäufer das wichtigste Handlungsmotiv. Das heißt,
dass
Vergütungssysteme, die persönlichen Erfolg stark belohnen, geschaffen
werden müssen. Erfolg muss am persönlichen Geldbeutel sofort
messbar
sein.
- Freiräume gewähren: Viele Verkäufer haben mehr Verkaufspotential
als sie in der Praxis einsetzen. Autoritäre Führungsstrukturen, die
Verkäufer
immer noch zwingen, sich an bestimmte Erfolgsgrundsätze und -techniken
zu halten, behindern den Verkaufserfolg.
- Image aufwerten: Viele Verkäufer (und Kunden) haben noch immer Probleme
mit dem Image des Berufsstands Verkäufer. Unternehmen, die
ihren Verkäufern die Identifikation mit ihrem Job erleichtern (Das Wort Verkäufer
auf den Visitenkarten sollte eine Auszeichnung sein), indem sie
den Berufsstand aufwerten, schaffen die beste Basis für ihren Verkaufserfolg.
- Handling der Verkaufsmannschaft: Ein Verkaufsleiter sollte 60
Prozent seiner Zeit mit dem Coaching seiner besten Verkäufer verbringen.
- Mitarbeiter empfinden die Zeit, die der Chef mit ihnen verbringt,
als Anerkennung. Investiert man zu viel Zeit mit schlechten
Verkäufern, fühlen
diese sich bestätigt.
Autor: Dr. Michael Hölzl ist Partner des internationalen Beratungsunternehmen
Lexington Consulting, welches mit eigenen Büros in Berlin, Zug,
Bozen und Bruneck vertreten ist. In Südtirol verfügt das
Unternehmen über ein 14-köpfiges Beratungsteam und zählt
namhafte Firmen aus allen Branchen und die öffentliche Verwaltung
zu seinen Kunden. Lexington Consulting ist zudem exklusiver Lizenznehmer
der INSIGHTS-Management-Development-Instruments (INSIGHTS-MDI®).
Quelle: Südtiroler Wirtschaftszeitung 28.06.2002
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