Pressemitteilung vom 07.07.2000
Liquiditätsplanung
Frage:
Als gewissenhafter Unternehmer habe ich mir angewöhnt, meine
Liquiditätsplanung halbjährlich zu prüfen. Ich glaube,
dass ich inzwischen bei der Prognose der erwarteten Einnahmen bzw.
Ausgaben auch recht gut abschneide. In der Festlegung der geeigneten
Maßnahmen bei Finanzbedarf bzw. –überschuss habe
ich allerdings des öfteren Schwierigkeiten. Gibt es je nach
Liquiditätslage geeignete Maßnahmenpaketes?
Sehr geehrter Herr N.N.,
wie Sie richtig erkennen, ist die beste Liquiditätsplanung wertlos,
wenn nicht die Konsequenzen aus dem ermittelten Finanzbedarf oder –überschuss
gezogen werden.
Bei einem Finanzbedarf ist rechtzeitig für die Bereitstellung
der benötigten Mittel zu sorgen. Dabei ist es von Vorteil, mehrere
Massnahmen gleichzeitig auszulösen. Dazu gehören:
- Die Steigerung bzw. Beschleunigung der Geldzugänge, wie
- Tägliche oder wöchentliche Fakturierung
- Straffe Forderungsüberwachung
- Straffung des Abrechnungs- und Mahnwesen
- Geeignete Skontierung
- Vertraglich vereinbarte Vorauszahlungen
- Kreditaufnahme
- Eigenfinanzierung, Einlagen
- Ausnutzung von offenen Kreditlimiten
- Verkauf nicht betriebsnotwendiger Immobilien
- Verkauf von eigenen Forderungen an Dritte (Factoring)
- Die Senkung bzw. Verzögerung der Geldabgänge, wie
- Optimale Ausnutzung der Zahlungsfristen
- Zurückstellung nicht unbedingt erforderlicher Investitionen
- Verschiebung von Reperaturen
- Leasing statt Kauf von Anlagegütern
- Kosteneinsparungen (vernünftiges Sparprogramm erstellen)
- Verzicht auf Privatbezüge
- Vorsorgliche organisatorische Massnahmen, wie
- Risikoanalyse potentieller Verlustquellen
- Abschluss von Ehe- und Erbverträgen
- Rechtzeitiger Einbezug der Hausbank
Die Aufzählung von Massnahmen zur Liquiditätsverbesserung
zeigt den Unterschied zwischen der rentabilitäts- und der liquiditätsbezogenen
Sichtweise. So erhöhen etwa Kredite, Leasing/Miete statt Kauf
und der Verzicht auf Skonti zwar die Liquidität, beeinträchtigen
aber die Rendite. Es gilt daher, die Möglichkeiten gegeneinander
abzuwägen und die optimale Lösung zu finden, die gleichzeitig
den Ausgleich zwischen Auszahlungen und Einzahlungen und die Schonung
der Rendite ermöglicht.
Bei Finanzüberschuss (Überliquidität) stellt sich
das Problem, dass die brachliegenden Mittel keine Erträge abwerfen
und somit auf die Rentabilität drücken. Es gibt eine Reihe
von Massnahmen zur Auswahl, um diesem unbefriedigenden Zustand abzuhelfen:
- Bei einer vorübergehenden Überliquidität
- Tilgung von Bankschulden
- Absatzfinanzierung (grosszügigere Zahlungsfristen)
- Kurzfristige Geldanlagen
- Im Falle einer permanenten Überliquidität
- Vornahme von Investitionen z. B. Ausbau des
Maschinenparks
- Tilgung von langfristigen Schulden, Hypotheken
etc.
- Betriebserweiterung
- Investition in langfristige Finanzanlagen.
Autor: Dr. Michael Hölzl, Lexington Consulting
Quelle: Der Handwerker 07.07.2000
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