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Pressemitteilung vom 30.06.2000

There`s no business like e-business!

Zürich/Bozen - Dr. Michael Hölzl (Unternehmensberatung Lexington Consulting) hielt zu diesem Thema kürzlich einen Gastvortrag am Institut für Unternehmensführung an der Universität Innsbruck.

E-Speed, das Zeitmaß im Internetbusiness bestimmt den Umbruch der „good old economy“.
Tradtitionelle bzw. konservative Firmenpolitiken werden in diesen Zeiten des Aufbruches nur reüssieren, wenn sie sich an harte Fakten halten und sich neu orientieren. Der Electronic Commerce im Market Space entwickelt sich in einigen Branchen schon heute als ernsthafter Konkurrent zum Handel im traditionellen Market Place (z. B. Reisebranche und Aktienhandel). Das net-business avanciert immer stärker zum strategischen Erfolgsfaktor nicht nur eines Unternehmen, sondern für ganze Städte und Länder. Vorreiter für den durch die „new economy“ getragenen und anhaltenden Aufschwung einer ganzen Nation ist wiedermal die USA. Die „alte Welt“ Europa schien lange Zeit vom Trend unbeeindruckt; seit ca. 2 Jahren setzen sich jedoch auch in Europa die neuen Ideen des Internetzeitalters durch. Spitzenreiter in Europa sind nur einige wenige: Städte wie München und Hamburg teilen sich derzeit die Vorherrschaft in Sachen net-business; Berlin avanciert mehr und mehr zum dritten Internetplayer. Das Online-Rennen scheint jedoch gerade erst zu beginnen. So arbeiten z. B. allein in München derzeit mehr als 600 Multimediafirmen; in Hamburg sind es schon über 1000. Die Standortwahl für junge Gründer sog. Startups wird jedoch nicht nicht nur durch das generelle Ansehen dieser Städte bestimmt; in zweiter Linie locken eigene Förderprogramme der bayerischen Landesregierung den Internetnachwuchs nach Münschen. Allein in München sind mehr als 90.000 Mitarbeiter in Medienunternehmen beschäftigt, welche direkt oder indirekt mit dem net-business in Verbindung gesetzt werden können. Diese Ansammlung an finanzkräftigen Wirtschaftstreibenden hat des weiteren den Effekt, dass E-Cities attraktive Anreize für die Ansiedelung von Dienstleistungsfirmen, Baufirmen und für hochspezialisierte IT-Arbeitskräfte bieten. Die Folge ist ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wandel. Auch wenn heute noch mehr als 3/4 der Deutschen noch nichts mit dem Internet anzufangen wissen, so ist die „New Economy“ doch nicht mehr aufzuhalten. Innerhalb der nächsten 3 Jahre, so schätzt man, werden etwa 25 Mio. Deutsche über einen Zugang zum Internet verfügen. Wenn nur ein Drittel dieser User wiederum ein Drittel ihrer durchschnittlichen Ausgaben für Lebensmittel über das Internet tätigen, errechnet sich dadurch ein Marktvolumen von ca. 7 Mrd. Mark allein in Deutschland! Die Boston Consulting Group erwartet in den USA für 2000 etwa 61,1 Mrd. Dollar Umsatz im Business-to-Consumer-Bereich (1999: 33,1 Mrd. Dollar). Diese euphorischen Zukunftsaussichten ruft natürlich noch mehr Internetunternehmen auf den Plan. Trotzdem kann man bereits jetzt davon sprechen dass die größte Hausse schon wieder vorbei ist (vgl. Kurseinbrüche an der NASDAQ in den vergangenen Wochen).
Internetstartups stehen vor neuen Herausforderungen. Startups können nur mehr selten auf sich alleine gestellt überleben. Die First Mover der Branche haben die Chancen die Markführerschaft zu übernehmen und nur wenige werden es schaffen, sich langfristig neben diesen Marktführern zu plazieren. Zu viele Startups haben es versäumt sich frühzeitig zu differenzieren. Die Me-Too-Strategie hat zwar kurzfristig viele Startups an die Börse geführt und deren Gründer zu Millionären gemachte; trotzdem gilt heute, dass ein Internetstartup ohne originäre Strategie und Produkt nicht überleben wird. Ihm bleibt die Möglichkeit einer Übernahme durch einen der „Großen“, der Zusammenschluss mit mehreren Kleinen oder letztendlich der große Crash.
Die Anforderungen an ein Internetstartup sind vielfältiger Natur: Während es vor 1 bis 2 Jahren genügte, einen First Mover zu kopieren und gemeinsam mit einer Investmentbank das IPO zu machen – meist relativ unbeachtet von firmeninternen Kennzahlen – werden zum jetztigen Zeitpunkt historische Werte wieder groß geschrieben. Es gilt anders zu starten und anders heißt: gleich mit einer europäischen Strategie, mit Technik-Know-how, Branchenwissen und Erfahrung, mit einem absoluten Top-Team und einem gut ausgerüsteten Netzwerk. Letztendlich muss zudem auch noch die Kalkulation stimmen.
Internetstartups müssen weiters bedenken, daß langfristig nur eine Zusammenarbeit mit der „Old Economy“ zum gewünschten Erfolg vor Ort wie auch international führt. Zu groß sind die Kosten im reinen net-business; so kostet z. B. die Aquirierung eines Kunden für ein reines Internetunternehmen durchschnittlich 82 Dollar (im traditionellen Bereich ca. 38 Dollar). Das Internet wird wieder stärker als unterstützendes Instrument im täglichen Geschäftsleben eingesetzt und verkommt somit nicht zum reinen Selbstzweck.

Autor: Dr. Michael Hölzl, Lexington Consulting,Bozen
Quelle: Südtiroler Wirtschaftszeitung 30.06.2000


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