Pressemitteilung vom 3.06.2000
Köpfchen statt Bauch
Immer noch beanspruchen viele erfahrene Führungskräfte
für sich, "aus dem Bauch heraus" das Entwicklungspotenzial
ihrer Mitarbeiter zufriedenstellend einschätzen zu können.
Die Folge dieser Vorgehensweise: Menschen, die Ähnlichkeiten
mit der eigenen Persönlichkeit aufweisen, werden vorgezogen,
Extreme abgelehnt; kritische und kreative Querdenker haben es deutlich
schwerer...
Zugleich darf aber auch die Verfügbarkeit potenzialdiagnostischer
Verfahren wie Selbst- und Fremdeinschätzungen, Assessment-Center,
Mitarbeitergespräche etc. nicht darüber hinwegtäuschen,
dass menschliches Handeln in komplexen Unternehmenszusammenhängen
bis zu einem gewissen Grad unvorhersehbar bleibt.
Insofern stellt eine zukunftsgerichtete Potenzialanalyse eine echte
Herausforderung für Unternehmen dar. Das Unternehmen bzw. die
Führungskräfte müssen u.a. klären:
- Welche Mitarbeiter sind in besonderem Maße geeignet, zukünftige
Schlüsselfunktionen in einer sich dynamisch verändernden
Organisation zu übernehmen?
- Wo sind latente Leistungsträger, die sich gezielt entwickeln
lassen, um herausfordernde Positionen mit hoher Verantwortung in
einer flexiblen Teamkultur zu übernehmen?
- In welchem Maße werden vorhandene Mitarbeiter nach strukturellen
Veränderungen oder Einführung neuer Informationstechnologien
künftig für das Unternehmen produktiv tätig sein können?
Die Beantwortung derartiger Fragen zeigt die Komplexität der
Potenzialanalyse: Es sind nicht nur individuelle Entwicklungsmöglichkeiten,
sondern auch organisationsspezifische Entwicklungsbedarfe und -notwendigkeiten
zu berücksichtigen. Die Potenzialanalyse klärt also nicht
nur das Potenzial für Aufstieg und Verantwortungszunahme, sondern
schätzt zugleich die Fähigkeit der Mitarbeiter
ein, sich auf neue Organisationsstrukturen einzustellen.
Ihre 7 Schritte zur Entwicklung von Spitzenkräften:
1. Zielsetzung der Potenzialanalyse klären
Bei der Potenzialanalyse steht die strukturierte Entwicklung der
Humanressourcen im Mittelpunkt. Identifizieren Sie Potenzialträger
und qualifizieren Sie diese zur Übernahme von verantwortungsvollen
Fach-, Führungs- und Projektaufgaben. In kleineren Unternehmen
liegt es nahe, eher auf die einzelne Person ausgerichtete Entwicklungsprogramme
zu installieren.
2. Mitarbeiter- und Fördergespräche durchführen
Schätzen sie, aufbauend auf strukturierte Mitarbeitergespräche,
die Potenziale ihrer Mitarbeiter ein. Besprechen Sie die Potenzialaussagen
direkt- aber vertraulich mit den Mitarbeitern, eine Geheimniskrämerei
mit versteckten Personalakten ist kontraproduktiv. Verknüpfen
Sie die Potenzialeinschätzung mit einer realistischen, mittel-
bis langfristigen Planung, damit der Erfolg der Fördermaßnahmen,
aber auch die Gültigkeit der Potenzialaussage regelmäßig überprüft
werden können.
3. Personal-Reviews erstellen
Richten Sie die Potenzialeinschätzung einzelner Mitarbeiter
auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens aus.
4. Personalentwicklungs-Seminare anbieten
Ü
berprüfen Sie die erkannten Mitarbeiterpotenziale durch kundengerechten
verhaltensorientierten Seminare: dadurch können Sie Einschätzungen
absichern. Checken Sie mit Hilfe der Seminare, ob Mitarbeiter, die
sich einen Entwicklungsweg aus eigener Initiative zutrauen, mit ihrer
Selbsteinschätzung richtig liegen.
5. Entwicklungspläne formulieren und umsetzen
Machen Sie einem Potenzialträger nicht nur leere Versprechungen.
Entwicklungspläne dürfen nicht zum Aktionismus - verbunden
mit einem sprunghaften Anstieg des Seminarbudgets - degenerieren.
Integrieren Sie vielmehr die Maßnahmen in umfassendere PE-Planungen
mit einem Zeithorizont von ca. drei bis fünf Jahren. Setzen
Sie Prioritäten und verdeutlichen Sie die Zielrichtung der Entwicklungsvereinbarungen.
6. Controlling des Entwicklungsverlaufs
Sind Potenziale erkannt und sinnvolle Fördermaßnahmen
eingeleitet, bedürfen Sie eines fortlaufenden Monitoring der
Umsetzung und des Erfolgs der Aktivitäten.
Neben dem persönlichen Controlling, das jeder Potenzialträger
letztlich für sich selbst leistet, bewerten Sie die eingeleiteten
Maßnahmen systematisch im Hinblick auf den Praxisnutzen. Führen
Sie dazu Befragungen sowohl der Beteiligten, als auch der Kollegen
und Mitarbeiter im Umfeld durch (Fremd- und Selbsteinschätzung).
7. Übernahme neuer Aufgaben einfühlsam gestalten
Führen Sie schließlich ein durchdachtes Mentoring- Konzept
ein. Das heißt: Nehmen Sie sich die Zeit, um dem Neuling in
der Schlüsselfunktion zur Seite zu stehen. Wir wissen es lohnt
sich: jeder Mitarbeiter hat Potenziale für die Zukunft.
Autorin: Dr. Barbara Jäger, Geschäftsführerin von
Business Pool, Personal- und Firmenberatung
Quelle: Südtiroler Wirtschaftszeitung 03.06.2000
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