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Pressemitteilung vom 25.02.2000

Karrieremanagement: "Job sculpting" als Weg in die Zukunft

Talente richtig einsetzen
Unternehmen, die Mitarbeiter gemäß Ihren Vorlieben einsetzen, sind produktiver als andere; und sie stellen sicher, dass sie nicht junge Talente an die Konkurrenz verlieren."Job sculpting" ist die Methode, die darauf anzielt, allen Mitarbeitern genau jene Aufgaben anzuvertrauen, für die sie wie geschaffen sind.

Wer eine Firma managt, der kann normalerweise ein Liedchen davon singen: Da hat man einen jungen, aufstrebenden Mitarbeiter mit Ach und Krach und allerlei Versprechungen in die Firma geholt, hat ihm alle Möglichkeiten eingeräumt, ihm allerhand finanzielle und andere Anreize geboten und plötzlich, völlig aus heiterem Himmel kommt seine Kündigung. Ein besseres Angebot würde man ja noch verstehen, aber oft genug gehen diese Talente auch finanzielle Abstriche ein, um sich beruflich zu verändern. Warum? Stimmte das Arbeitsklima nicht? Haben wir sonst Fehler gemacht, wird sich der Manager fragen? Ja und Nein: Nein, weil die Schuld nicht primär am Unternehmen liegt, sondern in der Natur des Mitarbeiters. Ja, weil man sich mit dem Mitarbeiter nicht genau genug beschäftigt hat.

Langjährige Studien in den USA haben an den Tag gelegt, dass es im Grunde acht Typen von Menschen gebe, die sich im Berufsleben tummeln. Darunter sind solche, die sich für Technik interessieren, solche, die den Umgang mit Zahlen lieben, andere, die eher Theorie und Konzeptentwicklung bevorzugen, wieder andere, für die die Kreativität im Vordergrund steht. Verschiedenste Charaktere also - und auf sie gilt es, Rücksicht zu nehmen. Nur wenn ein Mitarbeiter einen Job erhält, der auch seinen Vorlieben entspricht, wird er seine ganze Produktivität entfalten können. Nur dann kann man ihn mit einiger Sicherheit in der Firma halten.

Was muss der Manager also tun, um solche Mitarbeiter, um junge Talente nicht zu verlieren? Er ist schließlich kein Psychologe und die Charaktere sind oft schwer genug erkenn- oder unterscheidbar. Nicht selten wissen gar die Mitarbeiter selbst nichts von ihren verborgenen Vorlieben. Soll der Manager also den ganzen Tag an den Lippen seiner Mitarbeiter hängen, um irgendwann das Zauberwort aufzufangen, das ihm die Möglichkeit gibt, seinen Nachwuchsstar in eine der acht Schubladen zu stecken. Sicher nicht. Das neue Karrieremangement namens "Job sculpting" muss ganz anders aussehen.

"Job sculpting" heißt nichts anderes, als Mitarbeitern Tätigkeiten anbieten zu können, die auf ihre vitalen Interessen Rücksicht nehmen, die aus der Schublade stammen, in die der Arbeitende passt. Dies ist oft nicht so einfach und professionelle Personalberater können hier eine wertvolle Hilfe sein. Sie können bereits eine Vorselektion von Arbeitskräften vornehmen, bereits in intensiven Vorgesprächen mit Bewerbern versuchen, den Charakter, das vitale Interesse des Gegenübers zu eruieren. Dieses ist meist nur für geschulte Ohren hörbar, für die zukünftige Beziehung zwischen Arbeitgeber und -nehmer aber fundamental.

Mit Hilfe dieser Charakterisierung kann dann ein für den Arbeitnehmer optimaler, ja maßgeschneiderter Job gefunden werden. In den USA aber auch in Europa verlässt man sich dabei immer häufiger auf Arbeitskräftepools, die dem Unternehmer die Möglichkeit geben, aus einer Unmenge an Veränderungswilligen, an Ein- und Umsteigern, die richtigen auszuwählen: Jene, die die richtigen Qualifikationen mitbringen, jene, die vom Typ her zum Unternehmen passen, nicht zuletzt aber jene, deren Charaktere, deren vitale Interessen sich mit den angebotenen freien Stellen decken.

Denn auch wenn sich die Manager selbst aufmerksam um ihre Mitarbeiter kümmern, wenn sie ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen, so wird es doch immer - und auch bei noch so erfolgreichem "Job sculpting" Schwierigkeiten geben, wenn sich die Interessen eines Mitarbeiters schlicht und ergreifend nicht mit dem Jobangebot in einem Unternehmen decken. Was mache ich zum Beispiel mit einem Mitarbeiter aus der Schublade "Menschenführung und Beziehungsmanagement", wenn ich eigentlich nur Jobs als Buchhalter anzubieten habe. Deshlab ist es enorm wichtig, bereits vor der Einstellung die Interessen der Mitarbeiter zu kennen. Nur so vermeide ich unnötige Personalrochaden, unnötige vakante Stellen, die auch nur ein Minus an Produktivität mit sich bringen.

"Job sculpting" wird weltweit als Notwendigkeit gesehen. "Job sculpting" wird aber weltweit in den wenigsten Unternehmen konsequent betrieben: Weil es den Managern an Zeit, an Ausbildung, an Willen, an psychologischen Fähigkeiten, an Menschenkenntnis mangelt.

Autor: Frau Dr. Barbara Jäger, Geschäftsführerin der Personal und Unternehmensberatung Business Pool International (Italien)
Quellennachweis: Südtiroler Wirtschaftszeitung; 25. Februar 2000


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